Sonntag, 10. Februar 2013

Morgen ist Pappnasentag! - Viva AntiKa!

Ja, der Tag, vor dem sich Antikarnevalisten entweder verstecken, oder aber ihren Antikarnevalismus offensiv kundtun, steht bevor: Morgen ist Rosenmontag.

Der Wettervorhersage nach wird es in meiner Region wohl recht schönes Wetter geben... morgens leichter Frost, über Tag heiter bis wolkig und knapp über dem Gefrierpunkt, also für mich wunderbare Bedingungen zum Barfüßern vor und nach der Arbeit. Verkleiden werde ich mich nur während der Arbeitszeit - als "normal". Den Jecken würde ich ja Frost und Schneetreiben oder Regen und Sturmböen wünschen... wenn ich ein gehässiger Mensch wäre. Bin ich aber nicht.


Ansonsten gilt für mich am morgigen Tag: Viva AntiKa! - Ich werde der sogenannten "jecken" Welt schon zeigen, was ich von ihr halte:



Dieses Logo habe ich auch als Ansteckschild, das ich dann morgen sowas von offen an der Jacke tragen werde. Wenn ich eins nicht brauchen kann, dann Gruppenzwang beim Frohsinn. Ich lasse mir doch keine Kommandos zum Fröhlichsein geben, bloß weil der Imperator der Dunklen Seite das mal verfügt hat.

Ja, tatsächlich, die Vorgänger von Papst Palpatine, nein, Imperator Benedikt, naja, ist ja klar wen ich meine...



...die sind Schuld am närrischen Treiben. Die haben festgelegt, daß sechs Wochen vor Ostern die Fastenzeit beginnt und haben sich (wie es die christliche Kirche so oft getan hat) bei den vorchristlichen und heidnischen Bräuchen bedient und eine Zeit der Ausschweifungen und des Feierns vor die Saure-Gurken-Zeit des Fastens gesetzt. Bei den Römern waren dies die Saturnalien, zu deren Anlaß auch niedere und Sklaven den höhergestellten und Patriziern gleichgestellt wurden und dann auch bei öffentlichen Gelagen mit dabei sein durften. Bei den Griechen wurden diese Feiern zu Ehren des Dionysos abgehalten... alles in allem ging es dabei recht fröhlich und freizügig zu.

Im 2. Jahrhundert vor Christus wurden in Rom Mitte März zu Ehren des Dionysos (im römischen Bacchus genannt) die sehr ausschweifenden Bacchanalien gefeiert... sehr oft mit wahren Orgien und Exzessen, die unter Mithilfe von reichlich Alkohol und psychoaktiven Substanzen (Pilze und Tollkirsche) dann zu massenhafter Enthemmung führten... auch der "Mummenschanz", das Verkleiden mit Tiermasken und Fellen, hatte daran Anteil.

Auguste Leveque stellte das in seinem Gemälde "Die Bacchanalien" Ende des 19. Jahrhunderts so dar:



Derart exzessiv geht es im heutigen Karneval natürlich nicht mehr zu - auch wenn der Alkoholkonsum und die sexuelle Ausschweifung auch bei den zwangsfröhlichen Straßenkarnevalisten auch heute noch auf dem Plan steht. Nur nicht mehr wirklich schön, lebensbejahend und sinnlich anzuschauen wie noch im obigen Gemälde.

Immerhin: es gibt noch die Rückbezüge auf die bei uns üblichen heidnischen Bräuche des Austreibens des Winters und das Willkommen des Frühlings - speziell in den süddeutschen Regionen und der alemannischen Fastnacht... aber da ich sehr nahe an der rheinischen Karnevalsschiene wohne, habe ich hier das entsprechend katholisch-verkniffene Helau-und-Alaaf-tümeln geradezu vor der Haustüre.

Besonders abschreckend, weil immer noch so schön typisch deutsch: der sogenannte Sitzungskarneval, zu dem verkleidete Menschen auf Bänken an langen Tafeln hocken, auf Kommando Jubelrufe und sogenannte "Raketen" loslassen, zwanghaft schunkeln und über meist schlechte Witze sogenannter prominenter Karnevalisten auf der Bühne ebenfalls zwanghaft lachen - auch und wieder unter Zuhilfenahme des Alkohols. Enthemmt ist dabei überhaupt nichts. Und dieses kleine Experiment, das Herbert G. Schlichting alias Jonny Buchardt (ein Onkel der Schauspielergeschwister Ben und Meret Becker) im Jahre 1973 auf einer Karnevalssitzung machte, zeigt auf wunderbare Weise, wie gut deutscher Karneval in Sachen Begeisterungssignalen funktioniert... auch bei einem "traditionellen" Signal, das damals gerade 40-jähriges und dieses Jahr 80-jähriges Jubiläum feierte:




Gruppendynamik vom Feinsten... aber es zeigt auch, daß es bei organisierter Fröhlichkeit nur die richtige Steuerung braucht, damit aus etwas Häßlichem schnell etwas so richtig Häßliches wird.

Da suche ich mir lieber meine Anlässe und Veranstaltungen zum Fröhlichsein unter anderen als denen des kirchlich-karnevalistischen Komplexes (hmm, kann man auch mit "KKK" abkürzen... interessant!) heraus.

In diesem Sinne:


Runter mit den Pappnasen!

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